Unser Gemeindebrief – Die Taube – Ausgabe März, April, Mai 2026

Unser Gemeindebrief 'Die Taube' - Ausgabe 1/2026

Die Hoffnung haben wir als einen sicheren und festen
Anker unsrer Seele. (Monatsspruch für Mai, Hebräer 6, 19)

Ja, ist es so? Haben Sie die Hoffnung als Anker in der Seele? Dann können Sie sich wirklich glücklich schätzen.

Denn vielen Menschen geht es gerade schwer mit der Hoffnung. Dabei mag ihre persönliche Situation gar nicht unbedingt schlecht oder schwierig sein. Aber all das Verstörende und Zerstörende, das uns durch die Medien, durch Nachrichten erreicht, lässt uns zweifeln oder gar verzweifeln. Überwunden geglaubte politische und gesellschaftliche Konflikte sind wieder aufgebrochen. Bis dahin, das Krieg tobt und die Folgen nicht abzuschätzen sind. Auch unser Sicherheitsgefüge und -gefühl ist ins Wanken geraten. Die Ansicht, dass es mit dem Wohlstand einfach wie eine Art Naturgesetz immer bergauf geht, hat sich längst zerschlagen.

Die Ohnmacht gegenüber Zuständen in der Welt, die den Eindruck erwecken, dass schon einfache moralische Integrität nicht mehr vorausgesetzt werden kann – geschweige denn ein erkennbarer visionärer politischer Gestaltungswille – ist mit Händen zu greifen.

Unser Gemeindebrief 'Die Taube' - Ausgabe 1/2026 - Die Hoffnung haben wir als einen sicheren und festen Anker unsrer Seele.

Und trotzdem reden wir in der Kirche immer wieder von HOFFNUNG. Ist das nicht wie Reden gegen den Wind? Hat dieses Wort eigentlich noch wirkliche Bedeutung?

Ist es inhaltlich gefüllt oder nur eine Hülse? Am Ende gar nur eine fromme?

Viele Menschen sind müde angesichts der Turbulenzen weltweit. Sie wollen sich dem Verwirrenden nicht mehr aussetzen, um ihre Seele zu schützen.

Hoffnung als ein Anker unserer Seele – das verspricht uns das Wort für den Wonnemonat Mai. Einen Anker sieht man nicht. Er wird fallen gelassen, abgesenkt; er verschwindet im dunklen wankenden Untergrund bis er Halt findet. Und damit kann das Boot oder Schiff nicht mehr abgetrieben werden. Es hat noch immer einen gewissen Spielraum und auch der Wellengang überträgt sich. Es ist nach wie vor Ebbe und Flut ausgesetzt. Aber die Strömung kann es nicht mehr erfassen, es ist sicher.

Unser Gemeindebrief 'Die Taube' - Ausgabe 1/2026 - Die Hoffnung haben wir als einen sicheren und festen Anker unsrer Seele.

Wer so Hoffnung hat, macht Platz für das Leben und alles Lebensförderliche. Hoffnung hat Kraft. Hoffnung setzt dem Bösen etwas entgegen. Hoffnung hält die Menschlichkeit wach. Unsere christliche Hoffnung ist die gute Nachricht davon, dass Gott auf unserer Seite ist. Gott ist auf der Seite derer, die unter unmoralischen und unmenschlichen Verhältnissen leiden. Gott überlässt die Welt nicht der Dunkelheit. Im Menschen Jesus können wir sehen, wie Hoffnung auch inmitten schlimmer Zustände wachsen kann: Er wendet sich den Menschen zu, nimmt sie wahr und ernst. Er tut ihnen Gutes mit Worten und Taten. Er redet von der Freundlichkeit Gottes. Diese gute Nachricht ist ein guter Ankergrund. Daraus können wir Kraft schöpfen, die schlechten Nachrichten zu ertragen und ihnen etwas entgegenzusetzen. Wir gehen auf Ostern zu, Gott hat den Tod überwunden. Das ist der Grund unserer Hoffnung. Auch wenn der Fluss der schlechten Nachrichten leider vermutlich nicht abreißen wird –

Ihre Pfarrerin Almuth Wisch