Die Taube – Ausgabe Dezember 2025 + Januar, Februar 2026

Unser Gemeindebrief 'Die Taube' - Ausgabe 4/2025

Eine einfache Geschichte

In dieser Zeit vor dem Christfest, ein Krippenbild. Sie sehen die Höhle, nicht den Stall den wir meist als Bild von der Geburt Jesu finden. Dabei ist der Gedanke, dass Jesus in einer Höhle, die Hirten als Unterkunft dienten, naheliegend.

Die Vorstellung von einem richtigen Stall verdanken wir dem St. Franziskus, sie ist also viel jünger. Aber die Frage, ob Höhle oder Stall kann nicht abschließend beantwortet werden. Sie sehen auf dem Bild auch Ochse und Esel, die zum Fest gehören, auch wenn sie uns in keinem der Evangelien im Zusammenhang mit der Weihnachtsgeschichte begegnen. Die Höhle ist umgeben von rankenden Pflanzen, die wohl durch das „Tauet ihr Himmel, von oben ihr Wolken, regnet Gerechtigkeit, die Erde tue sich auf und bringe Heil hervor“ (Jes. 45,8) inspiriert sind.

Unser Gemeindebrief 'Die Taube' - Ausgabe 4/2025

Sie und die Blumen vor der Krippe weisen zugleich ein wenig auf die Zeit der Entstehung des Bildes (vor ca. 100 Jahren). Die Worte aus dem Prophetenbuch Jesaja finden sich daruntergeschrieben. Diese Worte des Propheten kannten die malenden Mönche gut, denn sie gehörten zu Messgottesdiensten, die in der Adventszeit gefeiert wurden. In der Mitte dann ein Psalmzitat, (ich habe eine Lupe benutzt es zu lesen) aus dem 19.Psalm „… sie (die Sonne) geht aus ihrer Kammer, zu laufen ihre Bahn. Christus das Licht der Welt – es ist die hellste Stelle des Bildes, heller als die oben jubelnden himmlischen Heerscharen.

Schließlich die Hirten auf dem Feld, hier zwischen geöffnetem Himmel und der Erde, verbunden mit dem dritten Zitat „Wir sehnen uns danach dein Angesicht zu schauen.“ (Ps. 42,3). Fast hört man den Engel in der Mitte sagen: „Siehe ich verkündige Euch große Freude, Euch ist heute der Heiland geboren.“. Ein einfaches Bild für eine einfache Geschichte. Ein Bild auf einem Evangeliar, also einer Sammlung der Evangelien, die zur Lesung im Gottesdienst bestimmt sind, möchte genau das sein. Die Beuroner Kunstschule, die aus der künstlerischen Arbeit des Klosters Beuron hervorgegangen ist, hatte sich zum Ziel gesetzt mit einfachen schönen Bildern und Kunstwerken, den Weg für das Wesentlich freizumachen. Gelingt uns das noch? Einfach die Adventszeit genießen, einfach das Christfest feiern. Sich einfach freuen an dieser besonderen Jahreszeit? Die uns bekannte Geschichte hören, lesen bedenken und spüren in dieser wohl vertrauten Geschichte ist einfach erzählt, was uns schwer fällt zu denken und zu sagen – Gott wird Mensch. Das Bild in seiner symmetrischen Harmonie möchte uns ermuntern sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Möge uns das in dieser Zeit vor dem Fest der Christgeburt gelingen, dass das Vorbereiten des Festes, die Freude an ihm nicht wie von Dornen überwuchert. So wünsche ich Ihnen eine besinnliche, gesegnete Adventsund Weihnachtszeit.

Der andere Dank bezieht sich auf die Ernte; Kirchen werden geschmückt, Erntekronen gebastelt. Der alte DDR-Spruch „Ohne Gott und Sonnenschein bringen wir die Ernte ein“ ist zum Glück zusammen mit dem Land von der Bildfläche verschwunden. Besonders in den letzten Jahren haben wir es immer wieder gespürt, dass das nicht die Wahrheit ist. Stattdessen werden wir wieder singen: „Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land, doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand.“ Der mutige Pfarrer Oskar Brüsewitz aus der Nähe von Zeitz hat 1975 auf ein Transparent geschrieben: „Ohne Regen, ohne Gott, geht die ganze Welt bankrott.“ Daran sollten wir uns erinnern am Tag der Deutschen Einheit und zum kirchlichen Erntedankfest.

Herzlichst grüßt Sie Ihr Pfarrer Friedrich Demke